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Elster-Restaurierung (Teil 1)

Gut Holz!
Bei der Restaurierung eines Holzflugzeugs, im Fachjargon Grundüberholung genannt, gehören neben einer gewissen Portion Glück vor allem das notwendige fachliche Können dazu. In der Luffahrtwerft von hartmut Sammet in Heubach begannen wir zunächst mit den Tragflächen.
„Du solltest langsam an eine neue Bespannung denken“, mahnte mich Ewald Sammet, Seniorchef des mittlerweile von seinem Sohn Hartmut und dessen Frau Katja geführten Sammet LTB auf meinem schwäbischen Heimatflugplatz Heubach bei Schwäbisch Gmünd.

Ich nahm den Hinweis zwar gerne dankend entgegen, doch wer macht sich schon über die Tragflächen her, so lange das Flugzeug problemlos fliegt? Eben! Im darauffolgenden Jahr war es aber so weit. Beim Putzen lagen der Schwamm samt meiner Hand auf einmal zwischen zwei Rippen – die Baumwollbespannung war einfach durchgebrochen. Und damit stand nun die prophezeite Reparatur an.

Da ich meiner D-ELKY bereits im Vorjahr eine Grundüberholung des Rolls-Royce-Conti C90-14F spendiert hatte, sagte ich mir schließlich „darauf kommt’s jetzt auch nicht mehr an“ und beschloss, der gesamten Zelle eine Grundüberholung bis in die letzten Winkel zu verpassen.

Glücklicherweise sitzt mit dem Sammet LTB und der ebenfalls Hartmut Sammet gehörenden Scheibe Aircraft GmbH geballtes Know-how auf dem Gebiet des Holzflugzeugbaus direkt am Platz. Angesichts der nicht zu unterschätzenden Kosten tat ich aber das, was viele andere Kollegen in diesem Falle auch tun – ich legte selbst mit Hand an.

Im Falle der Tragflächen erstreckte sich das auf das Entfernen der alten Bespannung, was sich angesichts der enormen Verklebung aber alles andere als einfach gestaltete. Fast schon musste Quadratzentimeter für Quadratzentimeter mithilfe von Heißluftgebläse und Spachtel mühevoll entfernt werden.

Kaum weniger lustig geriet das Entfernen der grünen Lackschicht auf der Beplankung der Flügelnase. Diese wurde dick mit Abbeizpaste eingestrichen, und dann wurden die Lackschichten händisch mit dem Spachtel abgetragen. Angesichts der erklecklichen Spannweite von mehr als 13 Metern eine Aufgabe, die sich zusammen mit dem anschließenden Schleifen locker über mehrere Tage hinzog.
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Schön wäre gewesen, den Flügel danach einfach wieder neu bespannen zu können, doch dem war nicht so. Jahre zuvor war die Elster beim Rollen mit dem Randbogen mal an einem Kranausleger hängen geblieben. Außer einer geplatzten Endleiste konnten wir damals aber keinen Schaden feststellen. Dafür jetzt, als der Flügel offen war. Die im Wurzelbereich von der Außenrippe schräg nach vorn zum Hauptholm montierte Verstrebung in Form eines Stahlrohrs war in der Mitte ordentlich krumm gebogen, und eine Hilfsleiste war ebenfalls entzwei. Also hieß es, teilweise die Beplankung zu entfernen, das Rohr auszubauen, zu richten, wieder einzubauen und frisch zu beplanken.

Weiteres Augenmerk erforderten die zahlreichen Verleimungen. Bei der letzten Grundüberholung vor knapp 30 Jahren leisteten die damaligen Besitzer gute Arbeit, und so blieben größere Arbeiten wenigstens hier erspart. Aufwändig geriet indes das Bespannen der Tragflächen mit Ceconite. Rippe für Rippe musste vernäht werden, bevor am Ende die Grund-Lackierung in Weiß stand.

Strapaziös war das Unternehmen „Tragflächen-Überholung“ aber nicht nur für Hartmut Sammet, sein Team und mich, sondern auch für das Bankkonto. Mit immerhin 18.000 Euro schlug dies trotz Eigenleistung zu Buche. Mittlerweile sind bereits Rumpf, Höhen- und Seitenruder sowie das Interieur in Arbeit. Der bereits gewonnene Lerneffekt hierbei: Klage nicht über Arbeiten an den Tragflächen – es kann viel schlimmer kommen. Beispielsweise beim Rumpf.